Über Blutegel

Geschichte der Blutegelhterapie

Die Blutegeltherapie, auch als Hirudotherapie bekannt, ist eine der ältesten Therapiearten. Im Orient war sie schon vor etwa 3000 Jahren bekannt. So findet man die ersten bekannten Aufzeichnungen in den Keilschriften der Babylonier (1600 - 1300 v. Chr.). Aber die umfangreichsten Aufzeichnungen über Blutegel sind die alten Sanskrit-Aufzeichnungen des alten Indiens (1000 - 500 v. Chr). Diese erklären die systematische Zucht und Anwendung von Blutegeln.

In der älteren europäischen Medizin hat zuerst der griechischer Arzt und Dichter Nikandros von Kolophon (200 - 130 v. Chr.) die Blutegeltherapie ausführlich beschrieben und sie auch angewendet.

In Europa wurde die Blutegeltherapie vor allem durch den Begründer der Schule der Methodiker und ebenfalls griechischer Arzt, Themison von Laodikeia (100 v. Chr.), systematisiert. Bedeutende Ärzte wie der römischer Arzt Claudius Galenus (Galen) (129 - 199 n. Chr.) und später der persischer Arzt Avicenna (Ibn-i Sina) (980 - 1037 n. Chr.) nutzten die Blutegeltherapie auch, um verschiedene Erkrankungen zu heilen.

Im Mittelalter und in der Neuzeit hatte die Blutegeltherapie bereits einen festen Platz in der Heilkunde. Auch die Osmanen hatten die Blutegeltherapie für verschiedene Erkrankungen intensiv angewendet und aufgezeichnet (1500 - 1900 n. Chr.). Anfang des 19. Jahrhunderts wurde durch den französischen Arzt und Chirurg Broussais die Blutegeltherapie für fast jede Krankheit benutzt. Hierbei wurden bis zu 100 Blutegel für eine Behandlung eingesetzt. Diese maßlose Verwendung führte oft zu ernsten und teilweise zu tödlichen Zwischenfällen. Durch diese übersteigerte Verwendung wurden Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich mehrere Millionen Blutegel, insbesondere in Frankreich ca. 100 Millionen und in Deutschland ca. 25 Millionen, importiert. Dadurch wurden die mitteleuropäischen Bestände erschöpft und die natürlichen Lebensräume durch die zunehmende Landwirtschaft und Industrialisierung verdrängt. Mit dem Ende des 19. Jahrhundert fand auch der Höhepunkt der Blutegeltherapie ein Ende, da sie von Kritikern als “Vampirismus” bezeichnet und auch durch die aufkommende wissenschaftliche Medizin nicht mehr als moderne Heilmethode akzeptiert wurde.

Blutegelhterapie in der modernen Medizin

Die ärztliche Ausbildung erfolgte nur noch in den Kliniken. Dies führte dazu, dass die angehenden Ärzte kaum noch mit Blutegelbehandlungen in Berührung kamen, sodass die Blutegeltherapie vergessen wurde. 1884 endeckte Haycroft als erster im Sekret der Blutegel eine blutgerinnungshemmende Substanz, die 1903 von Jacobi isoliert und als “Hirudin” bezeichnet wurde. Etwa um 1910 wurde Hirudin in einer klinisch-praktischen Arbeit als gerinnungshemmende Substanz zur Kenntnis genommen. Durch den 1. Weltkrieg brach der Blutegelhandel zusammen und die Blutegeltherapie wurde erneut vergessen. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte die Blutegeltherapie einen Aufschwung, welcher durch die Konstitutionstherapie (von B. Aschner), vor allem in der Anwendung bei venösen Blutgerinnsel und bei Venenenzündungen, entstand. 1922 setzte der Chirurg Termier die Blutegeltherapie ein, um bei Komplikationen die durch eine Operation aufgetretenen Thrombosen und Embolien zu heilen. Wenige Jahre später wurde die Blutegeltherapie wieder in vielen berühmten europäischen Kliniken für diese Indikation eingesetzt. Im Jahre 1935 veröffentlicht H. Bottenberg sein umfassendes Buch mit 52 Krankengeschichten, welches überwiegend auf die Bedürfnisse der praktischen Ärzte ausgerichtet ist. Dieses Buch gilt auch heute noch als internationales Standardwerk. Nach dem 2. Weltkrieg ging das Interesse an der Blutegeltherapie in Mitteleuropa erneut weitgehend zurück. Zuerst Heparin und dann Marcumar setzten sich bei Behandlung von Thrombosen und Embolien durch. Somit wurde die Blutegeltherapie erneut auch bei den Anwendern vergessen. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte die Blutegeltherapie durch die zunehmende Verwendung in der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie eine internationale Wiedergeburt. In Europa erfolgte gleichzeitig die zunehmende Verbreitung der Blutegeltherapie durch die moderne Naturheilkunde im Bereich der Human- und Tiermedizin. Danach wurden erfreulicherweise die berichteten Erfolge der Blutegeltherapie in der Naturheilkunde und die positiven Ergebnisse von mehreren wissenschaftlichen Studien aus Universitätskliniken aufmerksam beachtet.

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